Eine marokkanische Hochzeit

Marokkaner können sehr romantisch sein. Meistens leider nicht lange.


Die Hochzeit ist eigentlich DAS Lebensereignis für jeden Marokkaner und ganz besonders für jede Marokkanerin. Für die Frau ist der Beginn dieses Lebensabschnitts ein schicksalhaftes Ereignis. Sie ist nun eigentlich auf Gedeih und Verderb ihrem Angetrauten ausgeliefert. Hat sie Glück und er ist ein netter und friedfertiger Mensch, dann wird sie die Königin in seinem Hause sein. Hat sie Pech und der Gatte zeigt despotische Züge, so wird sie zur Sklavin mutieren.

Zwar hat der Muhammad VI. vor noch nicht alllzu langer Zeit das Familiengesetz reformiert und somit den Frauen mehr Rechte eingeräumt, doch für die meisten der marokkanischen Frauen ist das neue Gesetz nichts als Makulatur, insbesondere, wenn sie sich nicht zu den wenigen Wohlhabenden des Landes rechnen kann.

Was nützt es auch einer 60jährigen, die ihrem Mann 7 Kinder geschenkt hat, wenn er sich in Anbetracht seines dritten Frühlings von ihr scheiden lässt und sie dann nach kurzer Zeit mittellos dasteht? Viel Unterhalt gibt es nicht und auch nicht sehr lange. Im günstigsten Fall nehmen die Kinder sie auf und sie ist ein mehr oder weniger geduldeter Zaungast des Lebens. Der Ex-Gatte vergnügt sich jetzt mit einer Jungen und geniesst seinen Lebensabend.

Eine geschiedene Frau ist immer noch mit einem Makel behaftet in der traditionellen marokkanischen Gesellschaft und so möchte man sich natürlich absichern um nicht schon nach kurzer Zeit Opfer des Getuschels und der Schadenfreude der gehässigen Nachbarinnen zu werden.

Aus diesem Grund ziehen es heutzutage viele gebildete und finanziell unabhängige Marokkanerinnen vor, vielleicht gar nicht oder so spät wie möglich zu heiraten. Meistens bedeutet eine Heirat spätestens nach dem ersten Kind, den Job aufzugeben und sich nur noch dem Wohlergehen des Gatten und der Kinder zu widmen. Und die können ganz schön nerven und sind meistens recht anspruchsvoll.

Ist die Frau nicht in der glücklichen Lage, ihr eigenes Geld verdienen zu können, so wird in aller Regel eine vielversprechende Hochzeit angestrebt. Ob der Auserwählte alt oder jung, hübsch oder nicht ganz so ansehnlich ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Ernähren muss er sie können und das möglichst gut.  Die Hübschen sind dabei klar im Vorteil, denn sie sind begehrt und können Ansprüche stellen. Ein tolles Schlafzimmer mit allem Pipapo ist dabei das mindeste. Am besten ist natürlich ein eigenes Appartment inklusive Auto. Doch das können sich wirklich nicht viele Marokkaner leisten. Auf jeden Fall wird der Kandidat gründlich abgeklopft. Die heiratswillige Jungfrau muss sich im Hammam einen heimlichen Scan der zukünftigen Schwiegermutter oder einer Anverwandten gefallen lassen. Wie man sieht, sind dem Heiratsleben in Marokko viele Hürden vorangestellt. Wen wunderts, dass viele mittellose junge Männer erst mal eine Europäerin aus dem Internet fischen, sich finanziell auf feste Füße stellen und dann eine Landsmännin heiraten. Ein Mann aus Europa ist der Traum fast jeder Marokkanerin und so liegt ihm die maghrebinische Frauenwelt zu Füßen.

So oder so, dass Eheleben hat seine Tücken und so lange kein Kronprinz das Licht der Welt erblickt hat, besteht die Gefahr, schnell wieder an die Luft gesetzt zu werden. Ist der Kronsohn aber da, dann glätten sich die Wogen und Madame kann beruhigt auch mal die Arme verschränken und eine Lippe riskieren.

Für einen Tag im Mittelpunkt stehen.

Bis zu 7 Mal zieht sich die Braut während der Feierlichkeiten um.

Sie wird in einer Art Sänfte herumgetragen und ist einmal in ihrem Leben der Star.

Die meisten Bräute geniessen diesen Brauch sehr und behalten ihren Hochzeitstag als den glücklichsten ihres Lebens in Erinnerung.

Für eine tolle Feier verschulden sich manche Familien oft über Jahre hinaus.

Der schwere Schmuck kann schon ein paar Kilo wiegen und selbst ärmere Familien legen oft Wert auf eine standesgemässe Feier. Die Kleider werden jedoch meistens für den besonderen Anlass ausgeliehen.

Moderner Familien verzichten heute auch manchmal auf diese teuren Festivitäten und geben nur eine kleine Party mit Saft und Keksen, wobei Letztere natürlich üppig marokkanisch ausfallen.